Matrattel Cartoons

Komisches und nicht viel mehr

12 Anmerkungen

Über Freiheit und Fremdenhaß

“Früher hatte der Mensch nur einen Körper und eine Seele. Heute braucht er noch einen Paß dazu, sonst wird er nicht wie ein Mensch behandelt.”

Stefan Zweig zitiert einen exilierten Russen in “Die Welt von Gestern”.

“Erst nach dem [ersten Welt-]Kriege begann die Weltverstörung durch den Nationalsozialismus, und als erstes sichtbares Phänomen zeitigte diese geistige Epidemie unseres Jahrhunderts die Xenophobie: den Fremdenhaß oder zumindest die Fremdenangst. Überall verteidigte man sich gegen den Ausländer, überall schaltete man ihn aus. All diese Erniedrigungen, die man früher ausschließlich für Verbrecher erfunden hatte, wurden jetzt vor und während einer Reise jedem Reisenden auferlegt. Man mußte sich photographieren lassen von rechts und links, im Profil und en face, das Haar so kurz geschnitten, daß man das Ohr sehen konnte, man mußte Fingerabdrücke geben, erst nur den Daumen, dann alle zehn Finger, mußte überdies Zeugnisse, Gesundheitszeugnisse, Impfzeugnisse, polizeiliche Führungszeugnisse, Empfehlungen vorweisen, mußte Einladungen präsentieren können und Adressen von Verwandten, mußte moralische und finanzielle Garantien beibringen, Formulare ausfüllen und unterschreiben in dreifacher, vierfacher Ausfertigung, und wenn nur eines aus diesem Schock Blätter fehlte, war man verloren.”

Stefan Zweig, “Die Welt von Gestern - Erinnerungen eines Europäers”, S.463/464, Fischer Taschenbuch Verlag.

Share

Abgelegt unter Stefan Zweig Fremdenhaß Freiheit Xenophobie Weltkrieg Reisen Reisepaß

  1. von matrattel gepostet